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Faktencheck: Ein Prozent Wertverlust? Was die US-Studie wirklich sagt

Faktencheck: Ein Prozent Wertverlust? Was die US-Studie wirklich sagt

Geprüft am 06.11.2026. In der Debatte um Windräder und Hauspreise taucht immer wieder dieselbe Aussage auf, in Leserbriefen, in Blogbeiträgen und auf der Faktencheck-Seite eines Energieversorgers, der selbst Windparks betreibt: Eine große US-Studie habe gezeigt, der Wertverlust liege bei etwa einem Prozent, und nach einigen Jahren sei er wieder verschwunden.

Verkürzt

Die Studie

Gemeint ist die Arbeit von Wei Guo, Leonie Wenz und Maximilian Auffhammer, erschienen im März 2024 in der Fachzeitschrift PNAS. Sie wertet über 300 Millionen Hausverkäufe und 60.000 Windräder in den USA aus. Die Daten reichen von 1997 bis 2020. Eine sorgfältige, große Untersuchung.

Was zitiert wird

Zwei Sätze von Prof. Auffhammer, beide korrekt übersetzt: Die Auswirkungen seien „viel geringer als allgemein befürchtet", etwa ein Prozent für ein Haus, in dessen Umkreis von zehn Kilometern mindestens ein Windrad steht. Und der Hauswert springe im Laufe der Jahre auf den ursprünglichen Preis zurück.

Was weggelassen wird

In derselben Mitteilung der Autoren stehen weitere Befunde, die in den Zitaten fehlen:

  • Bis zu acht Prozent in der Nähe. Steht ein Windrad weniger als zwei Kilometer entfernt, kann der Hauswert um bis zu acht Prozent sinken.
  • Das eine Prozent ist ein Fernwert. Im Umkreis von vier Kilometern lagen weniger als 250.000 Gebäude, im Umkreis von zehn Kilometern rund 8,5 Millionen. Der Durchschnitt wird von den vielen weit entfernten Häusern bestimmt.
  • Der Verlust ist zuerst am größten. Er erreicht drei Jahre nach dem Bau seinen Höhepunkt und nimmt danach ab.
  • Andere Anlagen, andere Landschaft. Die meisten US-Windräder stehen in dünn besiedelten Ebenen. Neu gebaute Anlagen waren 2020 in den USA im Schnitt rund 150 Meter hoch (rund 90 Meter Nabenhöhe, rund 125 Meter Rotordurchmesser). Im Ochsenhau sind rund 266 Meter geplant, in einem Wald, nahe an Wohnorten.

Der Vollständigkeit halber: Für Windräder, die nach 2017 gebaut wurden, fanden die Autoren keinen Effekt mehr. Ihre Daten enden 2020.

Was in Europa gemessen wurde

  • Deutschland, RWI 2019: knapp drei Millionen Immobilienangebote, im Schnitt 7,1 Prozent weniger bei einem Kilometer Abstand, bei älteren Häusern im ländlichen Raum bis zu 23 Prozent, ab acht bis neun Kilometern kein Effekt mehr.
  • Deutschland, RWI 2025: Inserate 2009 bis 2021, im Schnitt 1,8 bis 1,9 Prozent bis drei Kilometer Abstand, stärker bei mehreren Anlagen, bei älteren Häusern und in dünner besiedelten Gegenden.
  • Dänemark, Universität Kopenhagen: drei Prozent allein durch die Sicht auf ein Windrad, bei Lärm von 40 bis 50 Dezibel fast sieben Prozent, wirksam bis rund drei Kilometer.
  • Dänemark, Gesetz: Wer Windräder aufstellt, muss Nachbarn einen Wertverlust über einem Prozent ersetzen. Ein unabhängiges Amt schätzt ihn.

Ergebnis

Die Zitate stimmen, das Bild nicht. Wer aus der US-Studie nur das eine Prozent nimmt, lässt weg, dass dieselbe Studie für Häuser in der Nähe bis zu acht Prozent findet. Wie groß der Effekt ist, hängt vor allem vom Abstand ab. Dass es ihn gibt, zeigen die Untersuchungen in den USA, in Deutschland und in Dänemark übereinstimmend.

Quellen

Alle Faktenchecks und wie wir prüfen · Hinweise und Korrekturen: info@ochsenhau.de

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